Konkrete Musik

In der Musique concrète („Konkrete Musik“) stammen die Klänge aus der Natur, Technik und aus Umweltgeräuschen. Sie werden mit dem Mikrofon aufgenommen und dann mittels Montage, Schnitt, Veränderung der Geschwindigkeit bearbeitet oder elektronisch verfremdet (Tapeloops). Beeinflusst wurde dieser Musikstil besonders vom italienischen Futurismus. Das ist eine Kunstbewegung, die mit einer besonderen Bandbreite eine neue Kunstform schaffen will.

Erfunden hat den Namen „konkrete Musik“ der französische Ingenieur Pierre Schaeffer in einem Artikel von 1949. Er, der sechs Jahre zuvor für diese Zwecke den club d’essai beim RDF, dem franzöischen Rundfunk in Paris gründete, wollte mit der Bezeichnung die klassische von der abstrakten Musik unterscheiden. Seiner Meinung nach verläuft in der klassischen Musik der Weg vom abstrakten ins konkrete, kompositorische hinein. Die konkrete Musik verfolgt den anderen Weg. Alltägliche, konkrete Geräusche werden durch Veränderung des Klanges abstrahiert.

Schaeffer konnte lediglich auf mitgeschnittene Schallplattenaufnahmen zugreifen, weil sich die Arbeit mit dem Tonband sich auf Deutschland beschränkte. Das Stück „etude pour chemin de fer“ lief 1948 zum ersten Mal. Zu hören sind unterschiedliche Geräusche von Dampflokomotiven und Zügen. Der Ingenieur kreierte ein Modell objét sonore eines allgemeinen und abstrakten Schemas, um Klangstrukturen zu gliedern vom einzelnen Klang bis hin zum gesamten Stück.

Anhänger der Kölner Schule protestierten gegen die Auffassung. Allen voran stritt der Komponist Pierre Boulez, der Schaeffer als Handwerker beschimpfte, der nicht Musiker sei, sondern Bastler. Der Umstand dass sich Schaeffer nicht dagegen aussprach, holte die afrikanische Musik in sein Boot.

Der Disput wurde erst beiseite gelegt, als ein Kölner Schüler Schaeffers 1955-56 in seinem „Gesang der Jünglinge“ gleichermaßen Sprache, Gesang und elektronischen Klang mischte. Karlheinz Stockhausen ging noch weiter, in dem er alles ineinander übergehen ließ. Von da an ließen sich die Richtungen nicht mehr auseinander halten. Elektronische Musik bildet seither den Haupttitel, davon ableitend spricht man von elektroakustische Musik. Doch der Begriff ist umstritten.

Den Club D’essai gab man 1951 Pierre Henry in die Hand. Daraus entstand die Groupe de Recherches de la Musique Concrete. Bekannt wurde Henry als Vater des Technos 1997 mit einer neuen Version von „Messe pour le temp présent“ von 1967.

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